Corona:Hilferuf vom ambulanten Pfleger


Hilferuf eines Helfenden: „Wir im ambulanten Pflegedienst haben schon jetzt kaum mehr Atemschutzmasken und Silikonschutzhandschuhe“, schrieb Francisco Ruiz Busse an Gesundheitsbehörden, Innenministerium und Sanitätshäuser. „Wir können immungeschwächte Menschen, die täglich von uns Pflegekräften versorgt werden, unter diesen Bedingungen kaum vor uns schützen, falls wir unentdeckt infiziert sind.“

Ruiz Busse, der am Freitag 65 Jahre alt wird – „ich habe keine Zeit zum feiern“ – arbeitet seit 2010 im ambulanten Pflegedienst eines Anbieters aus Herrenhausen. Acht bis 20 Patienten würden er und seine Kollegen an einem Arbeitstag betreuen. „Umso höher steigt das Risiko, dass auch wir uns anstecken“, sagt der Krankenpfleger, der seit 1988 Hygienefachkraft ist und 15 Jahre als selbstständiger Hygienefachberater gearbeitet hat. „Unter den Bedingungen, dass es kaum vernünftige Schutzkleidung gibt, sind wir jetzt natürlich keine Minute zu lang bei den Menschen.“

Schutzmaske eine Woche lang tragen

Das Problem bleibt der Schutz. „Wir sind angewiesen, die Masken jetzt immer zu tragen, sobald wir eine Klientenwohnung betreten. Aber was machen wir, wenn wir nur eine Maske haben, die wir eine Woche tragen müssen?“

Ruiz Busse, der in Spanien geboren wurde, hört Erschreckendes von Bekannten und Freunden aus Madrid. „Dort sterben die alten Menschen in den Pflegeheimen, weil es keine Schutzausrüstung für die Pflegenden gibt, das ist furchtbar“, sagt er. Er befürchtet spanische Verhältnisse auch in Deutschland, wo es mittlerweile viele Tote in Pflegeheimen gibt. „Was passiert, wenn die Infektionszahlen in Pflegeeinrichtungen und in der häuslichen Pflege steil ansteigen und wir Pflegekräfte uns infizieren, wer soll dann die Menschen versorgen.“

Ein wenig Erleichterung brachte die Spende eines Baumarktes in der Schulenburger Landstraße, „nun halten unsere Vorräte im ambulanten Bereich noch etwa fünf Tage“. Wenn dann kein Nachschub käme, „bricht unter den Kollegen Panik aus. Was mache ich, wenn ich in eine Familie komme, wo womöglich schon eine Mitglied infiziert ist, das ich aber pflegen muss?“, fragt sich Ruiz Busse.

Überteuerte Schutzkleidung im Internet

Im Gespräch mit dem Landesgesundheitsamt erfuhr er immerhin, dass es eine Materialbestellliste für Pflegende geben soll. Die könne ausgefüllt und an den Krisenstab geschickt werden. „Aber wie das Material verteilt wird, ist völlig ineffizient. Der eine bekommt mehr, der andere weniger und nur wenige wissen, an wen sie sich überhaupt wenden sollen.“ Die meisten würden versuchen, online vollkommen überteuerte Schutzmasken zu bestellen. „Die haben vorher 3,20 Euro gekostet und sind jetzt bei zwölf bis 15 Euro pro Stück.“ Als Hygienefachkraft hat er sich dort ehrenamtlich zur Hilfe angeboten, „die meinten, sie hätten genug Leute“.

Lesen Sie mehr: Die aktuellen Ereignisse in Hannover und Niedersachsen

Francisco Ruiz Busse behilft sich immerhin schon mit einem Tipp, den Deutschlands oberster Virologe Christian Drosten aus Berlin gab. „Hygienefachleute wissen, dass das Virus ab 60 Grad kaputt geht. Nach Benutzung sollte man also eine FFP-2 oder FFP-3-Mundschutzmaske in eine Plastiktüte stecken, die Maske zu Hause 10 Minuten bei 70 Grad im Backofen stecken. Die halten das aus.“ Die selbstgemachte Masken hingegen könne man privat beim Einkaufen tragen, „für den Pflegedienst ist es totaler Unsinn, wir wissen, höchstens die FFP2- und FFP3-Mundschutzmasken lassen Bakterien und Viren nicht durch“. Man müsse improvisieren und rationieren in diesen Zeiten.

Von Petra Rückerl



Quelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.