Die Wucht des Virus wurde unterschätzt


Der Versuch, die Hannover Messe zu verschieben, ist ein weiterer Beleg dafür, wie die Wirtschaft die Wucht der Coronavirus-Pandemie unterschätzt hat. Noch vor drei Wochen waren sich die Veranstalter und Aussteller sicher, mit dem neuen Termin Anfang Juli ein Signal für den Beginn eines konjunkturellen Erholungsprozesses im zweiten Halbjahr zu setzen. Nun zeigt sich, dass dieser Optimismus mindestens verfrüht war – die Rezession in der Industrie wird nach Lage der Dinge eher noch Monate als Wochen andauern.

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Für die Deutsche Messe ist die Absage ihrer Vorzeigeveranstaltung in diesem Jahr besonders bitter: Zum einen sollte sich das neue Konzept der Industrieschau erstmals in der Praxis bewähren. Nach zähem Ringen mit den Ausstellern war es gelungen, den Mix der Unternehmen in den Hallen so zu verändern, dass Besucher stärker der inneren Logik der Lieferketten und Produktionsabläufe folgen als bisher. Zum anderen kann die Messe kaum noch Boden gutmachen, weil in einem geraden Jahr wie 2020 der Veranstaltungskalender weniger gut gefüllt ist als in einem ungeraden.

Auch für die Anteilseigner ist die neue Krise eine böse Überraschung. Nachdem das Land Niedersachsen und die Stadt Hannover die Messegesellschaft vor zehn Jahren mit einer Kapitalerhöhung von 250 Millionen Euro vor der Pleite bewahrt hatten, wähnten sich beide auf der sicheren Seite: Die Deutsche Messe war seither zwar nicht sonderlich profitabel, sie schüttete aber gleichwohl eine kleine Dividende aus. Jetzt sieht es danach aus, dass eher wieder Geld in die andere Richtung fließen muss.

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Von Jens Heitmann



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